TAYLOR-TASCHENSCHENKOMPASSE

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TAYLOR

Anm.: Dieser Artikel zeigt nur einen Bruchteil der Taylor-Produktion. Für mehr Infos über die frühen Modelle empfehlen wir das Buch COMPASS CHRONICLES (s. LINKS).
S. a. den in einer wasserdichten Streichhölzerdose aus Bakelit integrierten Kompass.

Steckbrief: Nordamerikanischer Hersteller (Rochester, New York, mehr darüber HIER). Taylor was insbesondere für zahlreiche verschiedene Taschenkompasse und die berühmten Armbandkompasse der US-Fallschirmspringer (Landung der Alliierten Truppen in der Normandie im Juni 1944) bekannt (vgl. mit SUPERIOR MAGNETO, Kategorie Armbandkompasse).

Anscheinend hatte der britische Hersteller Short & Mason (S&M) die Idee einer Serie vom Kompassen mit witzigen Namen. Als erster überhaupt hatte jedoch J. H. Steward einen Marschkompass Cbynite getauft. Nach der Fusion mit S&M setzte Taylor die Serie fort und erweiterte sie mit neuen Modellen. Die zahlreichen Versionen ergaben sich teilweise aus der technologischen Entwicklung (Hinzufügen von Marken aus radiumhaltiger Farbe) und aus der Umstellung bei der Messung der Winkel (Übergang von den Zifferblättern mit Quadranten-Teilung zum Teilkreis mit 360°). Andererseits wurden verschiedene Designmerkmale nur durch kommerzielle Überlegungen beeinflusst, um einen Bedarf bei der Kundschaft künstlich herzustellen (mit oder ohne Sprungdeckel, versilberte bzw. vergoldete Luxusmodelle usw.).

Foto links: von Taylor veröffentlichtes Büchlein (24 S., 1915 - Bild anklicken zw. Anzeige einer Doppelseite mit vier Taylor-Kompassen)

Grob betrachtet, kann man vier Stufen in dieser Entwicklung erkennen. Am Anfang waren die qualitativ hochwertigen Kompasse mit oder ohne Sprungdeckel. Das Bild der Kompassrose war noch konventionell sternförmig. Danach kamen Varianten mit quadratischem Muster in der Mitte, die einfacheren mit Alugehäuse, dann diejenigen mit achteckigem Bakelitgehäuse und schließlich die billigen Kunststoffgehäuse.

Im ältesten Katalog*, das wir kennen (1916/17), werden bereits acht verschiedene Taschenkompasstypen angeboten, die alle einen anschaulichen Namen in phonetischer Umschrift besitzen. Zur gleichen jedoch (1. Weltkrieg) wurde ein Usanite genanntes neuntes Modell an die Truppe ausgegeben. Außerdem produzierte Taylor wie quasi alle anderen Hersteller dieser Zeit ein Mark VI-Modell für die Armeen (Beispiele: s. Dennison, Terrasse). Im Katalog für das J. 1931** werden noch zwei weitere Namen erwähnt: der Telaway und ein Official Boy Scout compass). Die erhaltenen Werbeanzeigen beschreiben generell jeweils ein einzelnes Modell.

*   Katalog-Bild Foto Kornelia Takacs,
**
Katalog-Bild Foto "Freunde alter Instrumente".

Die Instrumente tragen die Firmen-Namen Taylor und S&M, einzelne jedoch den Namen des kanadischen Werkes TYCOS (Abk. für Taylor Instruments Companies, s. Bild rechts). Taylor numerierte die Instrumente ab der Anfangs-Nummer 2910. Nur der Telaway erscheint in einem frühen Katalog mit der Nr. 075 und später 2905. Bei den späteren Versionen eines Namens erhöht sich die Zehnerzahl um 10 Einheiten. Dies scheint auch mit der Fertigungsperiode zu übereinstimmen (20er, 30er, 40er Jahre).

Aurapole Boy Scouts Ceebynite Flodial Girl Scouts
Gydawl Gydeway Leedawl Litenite Lumenite
Magnapole Meradial Showay Telaway Usanite


Tabellen: die einzelnen Modelle und ihre Weiterentwicklung (Zum Vergrößern, Bilder anklicken)

LEEDAWL
(lead all = führt alle)



Datenblatt - 2910
- Durchm.: 43 mm
- Dicke: 11 mm
- Gewicht: 28 g
- Teilung: Quadranten
- Verriegelung der Magnetnadel: Der "Knopf" im Tragring is in Wirklichkeit der Kopf einer Schraube, die den Hebel in Längsrichtung bewegt (Taylor-Patent*).
* Kommentare über die TAYLOR-Patent: HIER klicken.

(Beschreibung im 1931er catalogue)
Die ersten vier Instrumente ohne Deckel wurden auch mit Bakelit-Gehäuse (Patent* 2,027,952) neu aufgelegt. Die Nr. im Katalog um eine Zehnersteller erhöht.



Bakelit-Gehäuse mit flacher, rautenförmiger Magnetnadel
(ca.1936, Nr. 2920)

Datenblatt (1938er Katalog)

- Schachtel mit Bedienungsanweisung (zum Bild links)
MAGNAPOLE
(magnetic pole = Magnetischer Pol)



Datenblatt - 2911
- Durchm.: 43 mm
- Dicke: 11 mm
- Gewicht: 28 g
- Teilung: Quadranten
(Beschreibung im 1931er Katalog)

Frühes Modell (vor der Erteilung des Patents): die Himmelsrichtungen waren alle auf parallelen Linien und nicht entlang der Radien gedruckt.
Anm.: Der Name Magnapolewar bereits vorher von Short & Mason für einen ganz anderen Marschkompass-Typ vor der Fusion mit Taylor verwendet worden. Dieser Herstellername erscheint im Zentrum neben Taylor Rochester im Bild links.

 

Datenblatt
(Bild oben anklicken)        Foto rechts "Jessica"
Nr. 2921 - 1938er Katalog

FLODIAL
(floating dial = schwimmende Kompassrose)

Detailaufnahme der Kompassscheibe: ob. Bild anklicken.
Ansicht einer zeitgenössischen Werbung HIER klicken.

Datenblatt - 2912
Einfache Kompassscheibe ohne Leutchtmarken
Teilung: 360° (Beschreibung: 1931er Katalog)



Datenblatt: Bild anklicken
Nr. 2922 - 1938er Katalog

LITENITE
(light at night = Licht in der Nacht)



Datenblatt - 2913
- Durchm.: 43 mm
- Dicke: 10 mm
- Gewicht: 25 g
- Teilung: 360°
- Nord- und Südmarken: ein Dreieck und eine kreisförmige Scheibe aus radiumhaltiger Farbe (Beschreibung: 1931er Katalog)




Datenblatt: Bild anklicken
Nr. 2923 - 1938er Katalog


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GYDAWL
(guide all = führt alle)



Sprungdeckel
Nr. 2914


Beschreibung:
 1931er Katalog




Modernes Bild im Zentrum der Windrose

Datenblatt: Bild anklicken
Nr. 2930 - 1938er Katalog



Version ohne Deckel (frühe  40er J.?)


Datenblatt - Nr. 2940
- Durchm.: 52 mm
- Dicke: 13 mm
- Gewicht: 70 g
- Teilung: 360°
- Material: Aluminium
- Magnetnadel mit N-förmiger Aussparung (s. a. Girl Scouts Modelle weiter unten.)
AURAPOLE
(nach dem lateinischen Begriff für Polarlichter aurora borealis)



(Foto arkway2)

Nr. 2915
Datenblatt:
s. 1931er Katalog
MERADIAL
(mere a dial = bloß ein Zifferblatt?)



Nr. 2916

Datenblatt: s. 1931er Katalog
USANITE
(use at night = in der Nacht einsetzbar)



Foto  L. Boigey

Datenblatt - Nr. 2918
- Durchm.: 43 mm
- Dicke: 13 mm
- Gewicht: 43 g
- Teilung: Quadranten
- Markierung auf dem Deckel:
 'ENG. DEPT. U.S.A. 1917'
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CEEBYNITE*
(see by night = sieht in der Nacht)
Militärversion des LITENITE in einem Gehäuse mit Sprungdeckel)
 

 
Datenblatt - Nr. 2917
- Durchm.: 43 mm
- Dicke: 13 mm
- Gewicht: 43 g
- Teilung: 360°
- Nord- und Südmarken: ein Dreieck und eine kreisförmige Scheibe aus radiumhaltiger Farbe. Militärische Version des LITENITE

* Der Name war anscheinend von J- H. Steward zuerst erfunden worden: siehe Cbynite.
CEEBYNITE - 2917 G
(G = vergoldet)

 

Picture by courtesy of Perry


Ab 1918 waren die WW1-Sieger- Modelle Usanite, Ceebynite und Aurapole mit einem 14 Kt vergoldetem Gehäuse im Sortiment. Das Lumenite Modell auch ab den 1930er J.
Das abgebildete Modell weist keine Radiummarken auf. Die Angabe Patents Pending kommt vielleicht daher, dass alte, nach Erteilung des Patents nicht mehr eingebaute Kompasscheiben aus Kostengründen verwendet wurden.


Werbung für das Modell Ceebynite, auf der die beiden Radium-Marken scheinbar leuchten!


Einfache Aluminium- Version. Die Radium- marken waren viel kleiner als beim Modell der US Army.




Moderne Version mit quadratischem Muster auf der Kompassrose

Datenblatt: HIER klicken
Nr. 2932 - 1938er Katalog)

Werbung mit der Angabe, dass die Leuchtkraft der Markierungen jederzeit sichtbar ist (24 hour compass)





Nach dem 2.Weltkrieg und bis in die 60er J. wurden weitere Namen und Versionen kreiert. Insgesamt sind über 20 verschiedene Bezeichnungen bekannt. Einige sehr erfolgreiche Modelle wie LEEDAWL wurden später für billige Pfadfinderkompassmodelle wieder verwendet. Sie wurden in Bakelit-Gehäusen (bzw. einem anderen Kunststoff) mit wechselnden Formen aufgelegt (8-eckig, rund, quadratisch usw., s. Tabelle unten).

Die Form der Magnetnadeln variierte auch mehrmals. Die frühen hatten ein pfeilförmiges Nordende und ein mondsichelförmiges Südende. Danach kamen balkenförmige Nadeln (gerade oder verwunden), dann flache rautenfömige und schließlich rote mit einem N-Ausschnitt oder weißen Linien (s. Foto r. - zum Vergrößern anklicken).
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Tabelle nachstehend: weitere Modelle und Versionen

TELAWAY
(tell a way = sag' den Weg)



Messing-Gehäuse - Nr. 075

Datenblatt: s. 1919er Katalog



Silber-Gehäuse - Nr. 2905

Datenblatt: s. 1938er Katalog

Der Telaway ist der einzige Kompass mit konventionellem zylinderförmigen Gehäuse. Es wurde noch vor der Zusammenarbeit mit S&M konzipiert und hergestellt, was auch die niedrige Nr. 075 (später 2905) wurde vor der Zusammenführung mit den anderen Modellen erklärt. Das viel spätere Modell Showay (unten) trägt jedoch die Nr. 2906.
Unten: Abb. aus Katalogen 1919 und 1938





LUMENITE  
(illuminate = strahlt)

 

 Fotos Dennis Honor
Modell mit kontrastiertem Design:
Moderne und schlichte Kompassscheibe in einem Gehäuse mit antikem Look.



Seitenansicht

 Abbildung einer zeitgenössischen Werbung: HIER klicken

Datenblatt - Nr. 2927
- Durchm.: ... mm
- Dicke: ... mm
- Gewicht: ... g
- Teilung: 360°
- Nord und Südmarken: je ein Dreieck und eine runde Scheibe aus radiumhaltiger Farbe
- Fertigungsdatum: späte 1930er/40er J.?
 
Boy Scouts Of America
(ca. 1930er J.)




Modell mit Sprungdeckel - Nr. 2919
(s. 1931er Katalog).
Markierung: "Headquarters New York City"
Unter der heraldischen Lilie: 'Be Prepared'
Boy Scouts Version (ca. 1940er J.)



Material: Bakelitgehäuse
Magnetnadel: Balkenförmig, verwunden
Markierung: 'National' Council'
In späteren Modellen war die Nadel flach und rautenförmig, zuletzt rot bemalt mit 
(s. auch unten Girl Scouts Kompass)
Boy Scouts Kompasse
Datenblatt

Durchm. 55 mm



Unten: Schachtel für die Exportversion nach Kanada:


   

Die Kompasse der 2. und 3. Generation für Pfadfinder*innen waren zuerst achteckig und dann wieder rund. Zuerst aus Bakelit, dann aus Kunststoff (rot-braun für Jungs bzw. grün für Mädchen). Die  Worte "Be Prepared" (Sei bereit) und 'National Council' sind verschwunden.  
Es ist nicht klar, warum nur die Version für Jungs TRAILBLAZER heißt (siehe rechts)

   

Girl Scouts Kompassschachteln
(l. 1960 und r. 1966)
Girl Scouts Kompasse

Datenblatt 
Rundes Gehäuse - Nr. 2912

- Durchm.: 43 mm
- Höhe: 11 mm
- Gewicht: 28 g
- Katalog-Ausgabe: 1966
Die Gebrauchs- anleitungen für Jungs und Mädchen waren sehr verschieden (Links zu S. 1 der Versionen GIRL SCOUT und BOY SCOUT). Die Version für Jungs hieß TRAILBLAZER (Aufklärer). Konflikt mit dem Hersteller des auch "Trail-Blazer" genannten Armbandkompasses US-Gauge?
Die Modelle GYDEWAY (l.) und
SHOWAY (r.) im 1961er Katalog


(Modell links Nr.: 2935)
    

       Gydeway no. 2935 Showay no. 2906
(Foto 7century)
SHOWAY

Datenblatt - Nr. 2906
- Abm.: 40 x 40 x 10 mm
- Gewicht: 20 g
- Teilung: Quadrante
- Material: Bakelit, rot-braun


(Foto D. Damiano)
Datenblatt - Name & Nr. unbekannt
- Durchm.: 50 mm
- Teilung: 360°
- Material: Kunststoff
- Fertigungsjahr: ca. 1960-1980?

Dieses Modell existierte mit und ohne Deckel.
Taylor-Modell ohne Seriennamen

Beschreibung: Auszug aus dem Buch
COMPASS CHRONICLES (s. Menü / Links)
Billigkompass und aufstellbare platte mit 12 Stück für Verkäufer (s. Details in der vergrößerten Ansicht)
Vermutl. 1980er und 1990er J.

Pict. courtesy J. Fisher
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TAYLOR-Patente - Ein Kommentar

Die Angabe über das jeweilige Patent erscheint unüblicherweise in der Form eines Datums auf der Kompassrose:
PAT. APR. 20 - 1915 bzw. PAT. JAN. 8 - 1918. Es ist nicht einfach das entsprechende Dokument im Verzeichnis ohne die komplette Nr. oder den Namen des Erfinders zu kennen, James A. HOWE "assignor to TAYLOR Instr. Co."

Das erste Patent (Nr. 1.136.232)  wurde am 21. März 1914 beantragt und etwa ein Jahr später erteilt. Das zweite (Nr. 1.253.197) wurde am 1. Februar 1915 beantragt aber erst drei später erteilt! Ein genauer Vergleich wirft ein interessantes Licht auf den Vorgang.

Die technische Beschreibung und die Abbildungen (s. Bild r.: zum Vergrößern anklicken - komplette Dokumentation auf Wunsch erhältlich) sind absolut identisch, nur die Lage und einiger Kennbuchstaben und Ortszahlen sind leicht unterschiedlich, insbesondere der Stift h4, der für die 1918 Ansprüche von bedeutung ist (Vergleichsbild: HIER anklicken).

Der einzige Unterschied zwischen den beiden Patenten befindet sich in der Liste der Ansprüche:
- Die vier Ansprüche des 1915er Patents betreffen das Ausbilden eines äußeren Gehäuses aus einem einzigen Blech und das Zusammenfügen mit der Kompasskapsel mit Hilfe des Deckglases, das die Lippe der Kompasskapsel gegen den Rand der Aussparung des äußeren Gehäuses drückte (Fig. 2, Einzelheiten B, b1, b2). Die Kompassrose (E) war am Boden der Kapsel mit Hilfe der selben Buchse (D) befestigt, in der die Drehspitze eingefasst war.
- Die fünf Ansprüche des 1918er Patents betreffen den Verriegelungsmechanismus der Magnetnadel (Fig. 4). Der Längsverstellweg der Schraube war durch einen Stift (h4) begrenzt, der zwischen den Enden eines schmaleren Bereichs des Schaftes steckte.
Es ist nicht klar, warum die Ansprüche im 1918er Patent nicht von Anfang an gestellt worden waren. Vielleicht wurden sie es doch und die Patentprüfer waren zuerst davon ausgegangen, dass ein so simples System bereits existierte und nicht patentfähig war.

Der größte Teil des Patents ist die Beschreibung des Zweckes des Fertigungsverfahrens, wobei der wichtigste Aspekt die kostengünstige Fertigung und Materialbeschaffung ist. Das Ganze liest sich mehr wie ein kaufmännisches Angebot an einen potentiellen Kunden (U.S. Army?) oder wie ein firmeninterner Bericht:
"My invention has for its object to improve and simplify the construction of pocket compasses by affording a structure embodying a minimum of parts, which can be manufactured at comparatively very low cost.
A further purpose (...) is to provide a device that can be so economically manufactured as to permit it to be sold at a reasonably low price, and at the same time one that is characterized by high class workmanship and accurate and reliable results."

Noch erstaunlicher in einem Patent ist diese Stellungnahme bezüglich der Drehspitzenbeschaffung:
"... I have found that (...) the ordinary steel needle such as employed in sound reproducing machines an be successfully used for this purpose, and as these can be purchased in large quantities at a very low cost it reduces considerably the price of the instrument." 

1934
meldete Taylor ein weiteres Patent an (Erfinder: Erich Bandoly, Nr. 2,027,952) über die kostengünstige Herstellung von Kunststoffgehäusen. Das Material (Bakelit?) wurde phenol condensation product genannt.
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